Hubert Schwärzler - MISTER LECH
22 - Oct - 2013

Sie nannten ihn MISTER LECH

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HUBERT SCHWÄRZLER. Er stand 40 Jahre lang an der Spitze des Lech-Tourismus und prägte die Arlberg-Region.

Herr Schwärzler, wenn Sie sich heute Lech betrachten – sind Sie stolz auf das, was Sie dazu beigetragen haben?

Mein Traum war, dass Lech ein Begegnungsort für Menschen aus aller Welt wird und wenn ich heute das Sprachengewirr der verschiedenen Nationen registriere, macht mich das schon stolz. Das ist ein schönes Gefühl.

Wie war das damals, als Sie loslegten bzw. begonnen haben, für den Tourismus in Lech zu arbeiten?

Hubert Schwärzler - MISTER LECH

Den Erstkontakt mit Lech und dem Arlberg hatte ich schon Ende der 1940er-Jahre. Als Buben waren wir in einem Sommerlager in Zug. Da haben wir die ersten Berge bestiegen, die Gegend kennengelernt und einige Menschen. Da hätte ich nie davon geträumt, dass ich mal hier lande. 1961 war dann mein erster Winter in Lech. Ich komme aus der Reisebüro-Branche und man hat mich damals beauftragt, mich um die Gäste, die aus anderen Ländern kommen, zu kümmern. Das habe ich fünf Wintersaisonen lang gemacht. Ab 1966 wurde dann die Stelle als Verkehrsamtsleiter frei. Am letzten Bewerbungstag habe ich mich beworben und zwei Tage später hatte ich die Zusage. So ging das los. Die großen Tourismus-Pioniere waren damals noch in Amt und Würden, ich durfte von ihnen lernen und sie unterstützten mich.

Was waren Ihre ersten Schritte?

Wir hatten beispielsweise eine der ersten zentralen Reservierungsstellen, weil ich erkannt hatte, dass es anders nicht geht. Mir war wichtig, internationale Kontakte zu knüpfen, ich war Mitbegründer von „Best of the Alps“, das ja heute noch existiert und die gewachsenen alpinen Tourismusorte zusammenschließt mit der Idee, in Übersee gemeinsam präsent zu werden. Damals sind die Skilehrer noch nach Australien, Neuseeland und Südamerika gegangen. Die haben wir als Kontakte aktiviert und sie haben dort unsere Prospekte verteilt. Wir hatten kein großes Budget und waren gefordert, Ideen zu entwickeln, um mit dem Wenigen viel zu erreichen. Mit der ganzen Technologisierung – vom Fernsehen bis zum Internet – wurde das Ganze dann einfacher oder komplizierter. Das kann man sehen, wie man will.

Wann tauchte das Ziel bzw. die Idee des „edlen Lech“ auf?

Hubert Schwärzler - MISTER LECH

Man muss sehen, dass nach dem Krieg alles programmiert war für mehr. Die Leute wollten mehr zu essen, mehr Vergnügen – auch mehr Betten. Wir hatten Jahre, besonders in den 1960er-Jahren, als die vorher gute Sommersaison unter den vielen Baustellen gelitten hat. Man hat dann Reglements eingeführt und Bauzeiten festgelegt, weil sonst der Sommer tot gewesen wäre. Die Renaissance der qualitativ hochwertigen Sommerfrische war ein wichtiges Ziel. Heuer wurde beispielsweise der Lechweg eröffnet, den ich initiiert habe – das ist ein schöner Erfolg. Doch zurück zu Ihrer Frage. Für mich war die Abkehr von dieser Mehr-Bewegung durch die erste Studie des Club of Rome bedingt, die damals sagte: a little bit less might be a lot for tomorrow. Da habe ich begonnen nachzudenken und ich weiß noch gut, dass mich im Marketingausschuss des Landes kaum einer verstanden hat, als ich plötzlich nicht mehr für mehr Nächtigungen eingetreten bin. Für mich war die Bettenauslastung wichtig. Die Auslastung zeigte ja die Wirtschaftlichkeit eines Ortes besser als die Nächtigungszahlen. Es war klar, wenn jede Saison 300 oder 400 Betten dazukommen, musste man entsprechend viele Nächtigungen bekommen, um einen Gleichstand zu erreichen. Dann hat man auch gesehen, dass Qualität vor Quantität der richtige Weg ist, weil die Ressourcen in einem Hochgebirgstal beschränkt sind. Die Tourismuspolitik und die Gemeindepolitik haben gemeinsam diesen Qualitätsweg eingeschlagen.

Welche Reglements mussten dazu eingeführt werden?

Wir haben beispielsweise eine Skifahrerobergrenze festgelegt. Das war ein schwieriges Jahr, in dem wir auch angefeindet wurden. Auf der anderen Seite haben wir damit aber auch weltweit ein großes Interesse, Sympathie und Verständnis ausgelöst. Damit, dass ein Dorf selber an die Zukunft denkt und Maßnahmen setzt, damit das nicht überbordet und man kommenden Generationen auch noch Freiraum lässt.

Haben Sie damit Nachhaltigkeit in einer Zeit geprägt, als der Begriff noch gar nicht wirklich existierte?

Die Gedankengänge und Diskussionen sind sicher in diese Richtung gelaufen, ja.

Welcher Gedankengang steckte hinter der von Ihnen angestrebten Internationalität?

Hubert Schwärzler - MISTER LECH

Ich habe erkannt, dass auf der südlichen Hemisphäre die Schulferien dann sind, wenn das berühmte Jänner-Loch da ist. Um das auszugleichen, hat man versucht, dort Fuß zu fassen. Das hat gefruchtet. Generell bedeutet das auch eine gewisse Verteilung, auch des Risikos, weil es für den Gast schön ist, Menschen aus aller Welt zu treffen. Im Grunde genommen läuft die Saison durch. Wir haben etwa die Wedelwochen erfunden, um die Saison nach vorne zu verlängern – also in den Dezember. Früher hatte man zwischen November und 24. Dezember keine Katze hinter dem Ofen hervorlocken können. Dann waren wir über Wochen ausgebucht.

Ein TVB-Direktor muss offensichtlich vieles sein – Visionär, Realist, Praktiker, Verwalter und Diplomat. Eine dicke Haut muss er zudem haben. Was zeichnete Sie persönlich aus?

Mir kam zugute, dass ich Fremdsprachen für sehr wichtig hielt und halte. Ich habe viele Junge gefördert, indem ich ihnen Jobs vermittelte. So wurde einiges auf dem Ausbildungssektor gemacht. Ich würde sagen, man ist selber mitgewachsen. Es war eine Aufbruchstimmung. Nicht unwesentlich war, dass wir eine dritte Reisebürokonzession in Vorarlberg durchsetzten. Orte ohne Reisebürokonzession durften zuvor nur Betten vermitteln aber keine zusätzlichen touristischen Leistungen. Das war aber schon die Zeit, in der man Packages verkauft hat. Bei den Wedelwochen war dann die Unterkunft, der Skipass und die Skischule dabei.

Touristiker sind ihre eigenen Chefs, was Markenbildungen oft schwierig macht. Gab es in Lech große Konflikte?

Hubert Schwärzler - MISTER LECH

Mit großer Begeisterung, klaren Zielen und mit Erfolg kann man die anderen auch gewinnen. Natürlich ist der Tourismus ein Spannungsfeld in alle Richtungen, doch bei uns war wichtig, dass wir eng mit der Gemeinde zusammengearbeitet haben. Der Obmann des Verkehrsamtes war immer ein Gemeindevertreter – so war diese Verbindung gewährleistet. Meine Frau Isolde kommt aus einer Hotel-Dynastie. Wir haben erst eine Pension und dann ein kleines Hotel entwickelt. So hatte ich eigentlich ein Marktforschungsinstitut zu Hause. Wenn ich durch den Speisesaal gegangen bin und mich mit den Gästen unterhalten habe, habe ich immer gewusst, was gut und was schlecht gelaufen ist. So habe ich Tourismus einmal über die Bewerbung und Betreuung, als Beherberger und als Vermittler kennengelernt. Diese verschiedenen Ebenen haben mir immer sehr geholfen, sowohl in der Denkweise als auch beim Arbeiten. Natürlich kann das einer allein nicht tun. Das Mitarbeiterteam und die Funktionäre waren immer engagiert und wenn die Einheimischen gesehen haben, dass der Weg erfolgreich war, war es nicht so schwierig, die Neuerungen im Großen umzusetzen. Meine Frau hat mir dabei sehr geholfen und unser Hotel war immer so etwas wie ein Pilot.

Würden Sie den Job heute auch noch gerne machen?

Tourismus ist faszinierend. Wer da mal Begeisterung gefunden und Fuß gefasst hat, den lässt das nicht mehr los. Kommunikation war meine Stärke. So gelang es mir ein internationales Netzwerk aufzubauen und das pflege ich noch heute. Selbstverständlich. Nur, heute ist alles anonymer geworden, man kommuniziert elektronisch und da muss man gut sein. Ich glaube aber, dass die persönliche Betreuung auch in Zukunft einen großen Stellenwert hat und man soll nicht glauben, dass man ein Geschäft rein vor dem Computer sitzend ins Laufen bringen kann. Die andere, die menschlich-kommunikative Ebene muss immer berücksichtigt werden.

Wo machen Sie Urlaub?

Hubert Schwärzler - MISTER LECH

Da stehen meine Hobbys im Vordergrund. Ich jage gerne, unternehme gerne Bergwanderungen, ich golfe ein bisschen und selbstverständlich bin ich begeisterter Skifahrer und Tourengeher. Wo kann ich das besser als hier? Wir haben noch ein kleines Domizil am Bodensee. So ist das Pendeln zwischen der schönsten Frühlingslandschaft in Europa und der schönsten Winterlandschaft der Welt nicht so schwierig.

Sie sind also nach wie vor ein begeisterter Werber für Lech?

Ich hatte ein Hobby. Wenn ich geschäftlich oder privat unterwegs war, habe ich mir zum Ziel gesetzt, mindestens einen zu finden, der nach Lech kommt. Das ist mir immer gelungen und es gelingt mir heute noch. Wenn das jeder täte, könnten wir ohne Geld ein riesiges Potenzial an neuen Zielgruppen lukrieren. Ich muss bzw. darf sagen, dass Lech und der Arlberg mir viel ermöglicht haben und ich glaube, ich konnte Teile davon zurückgeben.

Zur Person Hubert Schwärzler

Hubert Schwärzler - MISTER LECH

Hubert Schwärzler, 71, war nach der kaufmännischen Ausbildung in Bregenz bei einer Versicherungsanstalt tätig und erhielt anschließend im Vorarlberger Landesreisebüro seine Ausbildung zum Reisebüro-Fachmann. Ab Winter 1961/62 war er fünf Saisonen im Verkehrsamt Lech mit Gästebetreuung und Reisebüro-Agenden betraut. Dazwischen immer wieder Auslands-Aufenthalte und Tätigkeiten in F, GB, USA, später noch in Italien. Ab 1966 Verkehrsamts-Leiter und Ernennung zum Direktor. Nach der Umwandlung in die Tourismus-GmbH, deren Geschäftsführer er bis zur Pensionierung 2001 war, Aufbau eines Reisebüros in Lech, Fachgruppenvorsteher der Vorarlberger Reisebüros in der Wirtschaftskammer, Mitglied der Sektionsleitung Tourismus in der Wirtschaftskammer, Mitglied im Marketing-Ausschuss von Vorarlberg-Tourismus und im Technologie-Beirat, in zahlreiche Projekte der Österreich-Werbung und ihres weltweiten Zweigstellen-Netzes eingebunden, Mitbegründer der Marketing-Gemeinschaft „Best of the Alps“ und deren Präsident, maßgeblich in die länderüberschreitende Arlberg-Werbung eingebunden. Schwärzler wurde, neben anderen zahlreichen Ehrungen, vom Skiclub-Arlberg zum Botschafter ernannt, 2000 wurde ihm der Berufstitel Professor von Bundespräsident Thomas Klestil verliehen. Initiator der Partnerschaften mit Beaver-Creek/USA und Happo/Japan und Kampen/Sylt und des Lech-Weges. Schwärzler ist seit 1966 verheiratet und Vater zweier Kinder.

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