Ludwig Wittgentstein
20 - Sep - 2013

Philosophischer Zauber

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Seit 1997 stellt das jährliche Treffen in Lech ein Fixum für Philosophiebegeisterte dar. Denker und Denkende treffen dort zu Diskussion und Austausch zusammen und schufen so eine Art „Woodstock der Philosophie.“

Petrarcas Geist und Herz waren erregt, als er 1336 den Gipfel des Mont Ventoux erklommen hatte und in einem literarischen Kleinod darüber berichtete, selbst Nietzsche ließ sich, wenn auch über 500 Jahre später, durch die Stille und klare Luft des Hochgebirges inspirieren und auch Ludwig Wittgenstein tauschte 1913 die oberflächliche Atmosphäre von Cambridge, wo er studierte, gegen die Ruhe der Berge, um über Logik nachzudenken. Humanisten, Literaten und Philosophen zogen seit altersher aus in die alpinen Landschaften, um ihre Gedanken zu formen, um sie in der Natur zu ordnen, um dort zu finden, was ihnen in der Enge oder Geschäftigkeit ihrer Wirkungsstätten verborgen blieb. Dort, wo sich Zeit und Raum, Passhöhen und Gipfel – eine der großen literarischen und philosophischen Metaphern – eröffnen, dort lässt sich auch der Geist schärfen: durch die Jahrhunderte, die unzähligen Strömungen und Gedankengänge, durch die Lust am Denken und dem Formen philosophischer Gefäße unterschiedlichster Größe.

Es mag kein Zufall sein, dass ausgerechnet der kleine, wenn auch wohlbekannte Vorarlberger Ort Lech...

Michael Köhlmeier & Konrad Paul Liessmann

...Heimat eines der mittlerweile renommiertesten Treffen von Philosophiebegeisterten geworden ist, auch wenn das Philosophicum, wie sein Leiter Konrad Paul Liessmann erklärte, „auf den ersten Blick gar nicht hierher zu passen schien“. Auf den zweiten passte es jedoch, schuf Sinn, die durch die Bewegung im Gebirge konzentriert wird: Natur und Bewegung inspirieren, sie führen, so Liessmann, zu einem meditativen Rhythmus von innerer Stille und Leere. Jener Zustand, in dem einen die Gedanken zufliegen: „Dann kommen Ideen, kommen Formulierungen, kommen Problemlösungen. Es ist das, was man Inspiration nennt“, sagt Liessmann. So öffnen sich dort Zeit und Raum und münden in eine Atmosphäre, die einer der Urheber des Lech´schen Philosophicums, der Vorarlberger Schriftsteller und Musiker Michael Köhlmeier, einst als „freundlich“ bezeichnet hat. Es herrsche in Lech Freundlichkeit: „Sagen Sie dieses Wort fünfmal vor sich hin, dann verstehen Sie es. Es ist wie Gold.“

In diesem Gold spiegeln sich so seit 1997 die Gespräche über die Inhalte der sichtbaren und unsichtbaren Welten...

Lech Zuers am Arlberg Philsophicum 2012 © Philosophicum Lech by pro.media

...das Böse (1997), den listigen Gott (2001), den Ruhm, den Tod und die Unsterblichkeit (2003) bis hin zu Wahrheit und Lüge (2004), das Schöne (2009) und die Jagd nach dem Glück (2011). In diesem Gold spiegelt sich jedoch auch der Hintergrund des Philosophicums, das Vermitteln von Philosophie und Öffentlichkeit mit dem Ziel, wie es Liessmann formuliert, „dass die Menschen enthusiasmiert sind“. Philosophie als zugängliche Wissenschaft, als ein Mitdiskutieren über die menschliche Existenz und den Fragen, die die Zeiten mit sich bringen – all dies auf möglichst breiter Ebene, all dies mit möglichst viel Raum. So schließt sich der Kreis zwischen dem inneren Raum, dem Raum des Gesprächs und jenem, der das Denken einnimmt mit dem Raum der Natur, in dem Petrarca ging und Wittgenstein Ruhe suchte – untrennbar mit Zeit verbunden und der Sehnsucht, endlich irgendwo anzukommen, den  Raum „schrumpfen zu lassen auf einen Ort“, wie es Konrad Paul Liessmann formuliert. Mit dem Ziel, den Ort „Zuhause oder Heimat zu nennen“, einen Ort eben, der all dies bietet, einen Ort, der auch mittels Philosophicum verbinden will: einen Ort auch wie Lech.

Das Philosophicum Lech

Philosophicum

Das Philosophicum Lech, entstanden im Gespräch zwischen Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel und dem Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmaier, hat sich als internationales Zentrum für philosophische, kultur- und sozialwissenschaftliche Reflexion, Diskussion und Begegnung etabliert und stellt einen wesentlichen kulturellen Impuls für das Dreiländereck Deutschland-Österreich-Schweiz dar. Das Symposium, das seit 2010 auch, nach einer Idee von Michael Köhlmaier, den Essay-Preis Tractatus, in Hommage an Ludwig Wittgensteins Tractatus Logico-Philosphicus, vergibt, steht einem interessierten Publikum offen und geht 2013 in seine 17. Auflage. Kamen zum ersten Symposium noch ca. 100 Philosophiebegeisterte, wurden in den letzten fünf Jahren jeweils weit mehr als 500 Teilnehmende gezählt. Vom 25. bis 29. September 2013 wird sich das 17. Philosophicum Lech mit dem „Ich. Der Einzelne in seinen Netzen.“ beschäftigen.

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Gebhard Pichler

Lech, Sommer, Philosophicum, Tractatus

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