Eine Fahrt mit dem Pistenbully (6)
02 - Apr - 2014

Abends in den Bergen

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Ein toller Ausflug mit dem Pisten Bully. Am Wochenende wartete ein roter Polar mit seinem Fahrer Thomas auf mich, denn ich durfte ausnahmsweise als Beifahrerin eine Nacht lang mit dabei sein. Treffpunkt war um 16.00 Uhr bei der Schlegelkopf Bergstation. Für Thomas beginnt der Arbeitstag um 15:30 Uhr bei einer Teambesprechung. Hans Peter Hussl - der Chef von den Pisten Bully Fahrer der Skilifte Lech - instruiert sein Team und übergibt jedem Fahrer sein Aufgabengebiet. Ein sichtlich gut gelaunter und freundlicher Pisten Bully Fahrer nahm mich also in Empfang und los ging die aufregende Fahrt

Langsam und vorsichtig...

Eine Fahrt mit dem Pistenbully (1)

...fuhren wir am Pistenrand mit eingeschalteter Sirene, um alle Wintersportler auf uns aufmerksam zu machen. Am Zuger Hochlicht wurde das Seil mit dem Bodenanker verbunden, um zusätzliche Zugkraft und Halt zu bekommen. Dann ging es abwärts; unsere Aufgabe war es, am Steinmähder zu präparieren. Die Frontscheiben bieten ausreichend Ausblick und vermittelte mir das Gefühl im freien Raum nach unten zu fahren.

Nun begann die Arbeit...

Eine Fahrt mit dem Pistenbully (7)

...und als erstes lenkte Thomas den Pisten Bully an den unteren Pistenrand um von dort die hinuntergeschobenen Schneemengen auf der Piste zu verteilen. Einige Fahrten sind nötig, damit der Schnee gleichmäßig auf der Piste verteilt ist und unser SkifahrerInnen am nächsten Tag wieder perfekt präparierte Pisten vorfinden. Es war faszinierend für mich mit anzusehen, welche Schneemengen durch das Räumschild zusammen geschoben werden können. Diese schwere Schneelast könnte vom Pisten Bully, welcher immerhin 490 PS hat alleine nicht aufwärts geschoben werden, hierzu wird noch zusätzlich Zugkraft von der Seilwinde benötigt. Geschickt lenkte Thomas den roten Polar mit seiner linken Hand, die rechte Hand lag auf einem Joystick, welcher das Räumschild bewegen konnte und natürlich nicht zu vergessen: der Daumen der rechten Hand steuerte zudem die Zugkraft der Seilwinde. So eine 13,5 Tonnen schwere Pistenraupe ist zwar beweglich, jedoch ohne Fingerspitzengefühl des Fahrers eine echte Gefahr.

Ich lernte an diesem Abend auch: Schnee ist nicht gleich Schnee...

Eine Fahrt mit dem Pistenbully (2)

...denn die warmen Temperaturen der letzten Tage erzeugen einen wunderbaren Firn, dieser ist jedoch schwer und lässt sich nur mühsam auf der Piste verteilen. Thomas gab sein Bestes und fuhr immer wieder bergauf und bergab. Michael ein anderer Pisten Bully Fahrer, der für den unteren Bereich der Steinmähder-Piste zuständig war, versorgte uns zum Glück mit weiterem Schnee und dieser wurde zur Präparation für einen glatten Übergang des kleinen Ziehweges benötigt. Jetzt war es soweit, wir konnten den sorgfältig verteilten Schnee walzen.

Nun ging es wieder Kopf voraus nach unten.

Eine Fahrt mit dem Pistenbully (3)

Ich hielt kurz die Luft an, welche einzigartiges Lichtspiel mich erwartete, die Sonne ging langsam unter… Bei der Walzung bergauf bewunderte ich die schöne Spur, welche wir beim Hinunterfahren gezogen haben. Nun war es soweit der nächste Pistenabschnitt auf der anderen Bergseite wartete auf uns. Langsam wurde es dunkel, durch die Kraft der Sonne wurde der Schnee tagsüber etwas matschig.

Jetzt aber, als die Sonne unterging...

Eine Fahrt mit dem Pistenbully (5)

...fing sofort die erste Schneeschicht an zu frieren. Hier war Geschicklichkeit gefragt, da das Räumschild in der korrekten Höhe und Position eingestellt werden musste, um den Schnee bergauf zu schieben. Auch war es sehr interessant zu sehen, dass sich nun kleine Schneeklumpen bildeten, welche teilweise von alleine bergabwärts kullerten.

Während ich faszinierend die Bergspitzen und den immer dunkler werdenden Himmel bewunderte erhielt Thomas einen Anruf.

Eine Fahrt mit dem Pistenbully (9)

Michael war mit seinem Pisten Bully über den seitlichen Pistenrand gerutscht und konnte nicht mehr weiterarbeiten. Nun war Teamgeist angesagt. Rasch wurde Mike - der Stellvertreter von Pisten Bully Chef Hans Peter Hussl - verständigt. Wir erhielten die Anweisung, erst den Pistenabschnitt Hasensprung fertig zu präparieren und dann zu Michael zu fahren. Eine Stunde später waren wir fertig und fuhren zur Steinmähder-Piste zurück und begutachteten, weshalb der Pisten Bully von Michael feststeckte. Die Kette war das Problem; da diese teilweise verschoben war, konnte die Pistenraupe nicht ohne weitere Beschädigungen der Kette bewegt werden. Es dauerte nicht lange und da kam auch schon Mike mit der Rettungskiste. Dies ist eine große Kiste, welche am Räumschild angebracht werden kann, dort befinden sich Schlupfen zum Abschleppen, sowie Schaufeln, Werkzeug und gute Arbeitskleidung. Mit so einer tollen Ausrüstung, war es dann zum Glück kein Problem mehr den Pisten Bully auf die Piste zurück zu bringen.

Eine Fahrt mit dem Pistenbully (10)

Ich bin kein Technikgenie aber ich war überwältigt von der Präzession, mit welcher durch leichte Zugkraft der Seilwinden die Pistenraupe so bewegt wurde, dass die Kette vor Ort wieder in die richtige Position gebracht wurde. Mike half geschickt nach und dirigierte die beiden Pisten Bullys, damit die Richtung und Zugkraft der Seilwinden stimmte. Nun halfen alle Pisten Bully Fahrer zusammen, damit sämtliche Pisten des gesamten Skigebiets bis zum Morgen präpariert werden konnten.

Lobenswert erwähnten die Fahrer den Rückhalt von Chef Christoph Pfefferkorn. Da im Winter verschiedene Wetterlagen, Schneemengen und technische Herausforderungen teilweise Lösungen erfordern, welche schwierig und zeitintensiv sind, können sie sich immer darauf verlassen, dass ihr Chef zu Hilfe ist und hinter seinem Team steht. Für mich endete eine lehrreiche und beeindruckende Nacht um 01 Uhr morgens, als ich in die Oberlechgondel einstieg und ins Tal fuhr. Ich bedanke mich herzlich bei den Skiliften Lech für dieses einzigartige Erlebnis.

Eure Barbara

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Barbara Köll
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